Neurogenes Zittern

Zittern als Antwort auf Stress

Im Tierreich gibt es eine ganz natürliche Körperreaktion auf Stress. Wenn ein Tier in eine gefährliche oder gar lebensbedrohliche Situation gerät, dann stellt der Körper jede Menge Energie für Kampf oder Flucht bereit. Das sind autonome Reaktionen des Körpers, wie z.B. erhöhter Puls, schnellere Atmung, vermehrte Ausschüttung von Hormonen und enorme Muskelkraft. Wenn das Tier in der Situation fliehen oder kämpfen kann, wird die bereitgestellte Energie verbraucht. Wenn Kampf oder Flucht aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, dann geht der Körper in den sogenannten Totstellreflex. Obwohl der Körper leblos und schwach wirkt, ist das innerliche Energieniveau sehr hoch. Wenn die Gefahr vorüber ist, dann stellt sich bei Tieren ganz natürlich ein Zittern oder Schütteln im ganzen Körper ein. Nach dem Zittern sind die Tiere wieder beweglich und funktional. Dies ist eine autonome Körperreaktion, der Fachbegriff dafür ist: neurogenes Zittern. Durch das Zittern baut der Organismus die überschüssige Energie ab. Für das Tier ist nach dem Zittern ‚die Welt wieder in Ordnung‘.

Ein eindrucksvolles Beispiel für den natürlichen Zittermechanismus bei Tieren zeigt dieser Videoclip:

Die Menschen zittern nicht mehr

Auch wir Menschen haben diesen Zittermechanismus. Wir sind genetisch damit ausgestattet. Das Zittern dient dazu, traumatische Erfahrungen zu überstehen und sich aus dieser Erfahrung heraus weiterzuentwickeln. Das Zittern ist somit ein notwendiger und sinnvoller Prozess für Evolution. Leider ist bei den heutigen Menschen dieser heilsame Zittermechanismus größtenteils nicht mehr aktiv. Zittern wird gesellschaftlich oft als Schwäche interpretiert. Wenn Menschen beispielsweise nach Unfällen zittern, dann gilt das als ‚behandlungsbedürftig‘. Sie werden vor Ort von den Rettungshelfern mit Medikamenten ruhiggestellt. Hiermit wird jedoch die natürliche Selbstregulation des Organismus unterbrochen. Statt den Stress des auslösenden Ereignisses abzuschütteln, verbleibt die überschüssige Ladung im Körper. Oft ein Leben lang.

Heutzutage müssen uns nicht mehr gegen Raubtiere behaupten, dafür haben wir aber jede Menge anderen Stress. Davor können wir gewöhnlich nicht fliehen oder körperlich ankämpfen, der natürliche Energieverbrauch durch Kampf oder Flucht findet meist nicht statt. Die Körper hält die Energie fest, die Muskeln bleiben dauerhaft angespannt. Über einen langen Zeitraum führt dies dann oft zu körperlichen und seelischen Beschwerden.

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